Das Schicksal eines Einzigen.

Einzelschicksale belegen am eindrucksvollsten die Brutalität des Krieges an der Eismeerfront. Und geben einen Einblick in das Schicksal aller Gefallenen, die in Parkkina-Petsamo ruhen. 

Leutnant Siegfried Burger 

 Leutnant Siegfried Burger
Zugführer des III.(Jagd-)Zug 12./Geb.Jäg.Rgt.136
geb. 20.01.1920 in Innsbruck
gef. 04.01.1942 3km nördlich Höhe 276,2
 

Nachdem am 30.10.1941, in der Nähe der Titowkabrücke, ein russischer Stoßtrupp, das Auto des Kommandeurs des Feldersatzbataillon der 6.GD überfallen hat und ihn gefangen nahm erhielt das II.Btl./136 den Auftrag eine Sicherungsfront in Form von Feldwachen aufzubauen um weiteres Einsickern Sowjetischen Stoßtrupps ins hintere Frontgebiet zu verhindern. Das III.Btl./136 erhielt den Auftrag aus den Besten Skifahrern eine Jagdzug zu bilden. Dieser wird der 12./136 als III.Zug unterstellt, Führer wird Leutnant Burger.

Am 22.11.1941 erfolgte der erste Jagdeinsatz. Ein Spähtrupp, bestehend aus Ltn. Burger und 12 Mann startete vom Feldflugplatz Luostari nach Osten. Auftrag war zu erkunden, ob der Russe in diesem Bereich operiert und Mann sollte Standorte für Feldwachen finden. Nach fünf Tagen war das Unternehmen beendet.

Silvester 1941 wurde auf Feldwache 8 gefeiert, am Neujahrstag erhielt der Jagdzug um 05:00 Uhr Alarm, und marschierte auf die Feldwache 10 ab. Dort begann ein Halbzug mit einem längeren Spähtrupp. Am 02.01.42 wurde ein russischer Biwakplatz entdeckt.

Am 03.01.42 entdeckte ein Fiesler der Luftwaffe ein Russenlager, gegen 21:30 Uhr lief der Jagdzug zum Angriff aus. Am 04.01.42, gegen 08:00 Uhr, wurde eine Schlittenspur entdeckt, welcher in beiden Richtungen gefolgt wurde. Um etwa 13:00 Uhr wurde das Lager entdeckt. Leutnant Burger und Leutnant Barwig beschlossen das Lager anzugreifen. Im fahlen Mittagslicht der Polarnacht näherte sich die Soldaten auf eine Schußentfernung von 200m. Gleichzeitig mit dem Befehl zum Angriff, kam der Alarmruf des russischen Postens. Alle drei MG des Zuges waren eingefroren und konnten nicht zum Schießen gebracht werden. Beim folgenden Kampf musste der Russe zwar zurückweichen, doch den hinteren Teil des Lagers, welcher aus Erdbunker bestand, verteidigte er hartnäckig. Wegen der einbrechenden starken Dämmerung musste das Gefecht abgebrochen werden. Der Jagdzug hatte schwere Verluste, beide Leutnante und Feldwebel Müh waren gefallen, Feldwebel Haselwanter schwer und mehrerer Männer leicht verwundet. Der Zug hatte keine Chance die Gefallenen zu bergen und musste sie in der Tundra zurücklassen. Nach 28 Stunden auf den Skiern konnte erst in Feldwache 10 eine Pause eingelegt werden.

Am 29.01.1942 wurde, bei einem Gefecht mit einer sowjetischen Rückensicherung, ein russischer Major gefangen genommen, bei ihm fand man eine schöne Armbanduhr. Diese hatte am Deckel eingraviert: "Dem besten Jungmann der Stadt Innsbruck". Dabei handelte es sich um die Uhr des am 04.01.1942 gefallenen Leutnant Burger. 


Das Sterbebildchen von Siegfried Burger. 

Das Grab von Siegfried Burger. Hier mit adaptierter Kennzeichnung der Geburt- und Sterbedaten. 

Leutnant Alfred Barwig

Leutnant Alfred Barwig
3./GJR 136
geb.: 02.06.1916 in Innsbruck
gef.: 04.01.1942 6km nordostw. Höhe 276 Tundra, Eismeerfront

Leutnant Alfred Barwig fiel beim selben Jagdunternehmen wie Leutnant Siegfried Burger. Am 04.01.1942 griffen die drei Züge eine russische Feldwache auf Höhe 276,2 an, an der Angriffspitze stürmten Lt. Barwig und Lt. Burger. Leutnant Burger befehligte die rechte Angriffsgruppe, als dieser gelang in die Stellungen einzubrechen fiel Lt.Burger. Die linke Angriffsgruppe, unter Leutnant Barwig konnte sich bist auf 50 m an den östlichen Teil des Lager herankämpfen.  Durch das schwere Abwehrfeuer wird Leutnant Barwig durch Kopf-und Brustschüsse schwer verwundet. Nachdem beide Leutnants ausgefallen waren, griff die Gebirgsjäger eine plötzlich auftauchende russische Abteilung an. 
Daraufhin musste das Jagdunternehmen abgebrochen werden. Der schwer verwundete Leutnant Barwig, der in der Zwischenzeit das Bewusstsein verloren hatte, wurde auf einem Schlitten abtransportiert. Beim Versuch den Schlitten mit Leutnant Barwig, über einen mit Feuer belegten Steilhang zu ziehen fällt auch der Mann, der ihn zog. Darauf hing galt Alfred Barwig als vermisst. 
Sein Leichnam konnte geborgen werden und er wurde am Soldatenfriedhof Parkkina-Petsamo bestattet. 


Die Gräber der beiden Leutnants am Friedhof in Parkkina-Petsamo. 

Alfred Barwig, hier noch als Oberjäger. 

Der junge Alfred Barwig, als Gefreiter. 

Jäger Peter Halbeisen

 

Jäger Peter Halbeisen von der 11./GJR 137, 2.GebDiv

geb.: am 05.03.1921 in Au/Vorarlberg

gef.: am 09.05.1942 am Festungsberg / Eismeerfront 



  

Peter Halbeisen rückte am 06.02.1941 zur 12./Geb.Jäg.Ers.Rgt.136, in die Pontlatz-Kaserne in Landeck ein. In Landeck erhielt der Jäger Halbeisen seine Grundausbildung als Gebirgsjäger am Gewehr M24 (t), dem 98 k und dem MG34. Nach der Grundausbildung ging es für die Rekruten zur Fronttruppe. Mit 18.06.1941 wurde der Jäger Halbeisen zur 11./GJR137, welche zu diesem Zeitpunkt als Besatzungstruppe in Nordnorwegn stand, kommandiert.

Während dem Transport in den Hohen Norden begann der Russland-Feldzug, und das GJR 137, war vom ersten Tag an die Speerspitze der 2.GebDiv, welche nach Osten, Richtung Murmansk marschierte. Laut Gefechtskallender, dürfte der Jäger Halbeisen am 23.07.1941 bei der fechtenden Truppe angekommen sein. Zu diesem Zeitpunkt kam der Angriff am Fluss Liza zum stocken, es war zwar ein Brückenkopf über den Fluss geschlagen worden, dieser musste aber zäh gehalten werden. Anfang September 1941 wurde ein letzter Versuch unternommen den Durchbruch nach Murmansk zu wagen, trotz kleineren Erfolgen im Brückenkopf und Gebietsgewinne, konnte kein Durchbruch erzielt werden und nach der Begradigung der HKL, welche wegen der äußerst schwierigen Versorgungslage in der Tundra nötig war, ging das Gebirgskorps Norwegen in die Verteidigung über. Um nach dem sich ankündigenden Polarwinter einen neuen Schlag nach Murmansk auszuführen.

Im Oktober 1941 begann die Ablöse der bis dato, an der Liza eingesetzten 2.GebDiv, durch die frisch eingetroffene 6.GebDiv, die Ablöse der 2.GebDiv war dringend Notwendig, da 1941 die 2.GebDiv die höchsten Verluste aller an der Ostfront eingesetzten deutschen Divisionen hatte. Mit dem 28.10.1941 war die Ablöse vollzogen und die 2.GebDiv kam nach Nordnorwegen als Küstenschutz, das III./GJR 137 war im Raum Elvenes (ca.10km südlich Kirkenes) einquartiert. Im Winter 1941/42 wurden aber auch immer wieder Teile der 2.GebDiv an der Eismeerfront eingesetzt. In unzähligen Skipatrouillen, Späh-und Stoßtrupps. Auch hier nahm der Jäger Halbeisen mit seiner 11./137 teil.

Doch dann kam die Nacht vom 27. auf den 28.04.1942, die Sowjets hohlen zur großangelegten Gegenoffensive an der Eismeerfront aus. Im Nordraum, zwischen dem Titowka- und Liza-Fjord, der auch das "Herzogtum Liza" genannt wird, liegen zu diesem Zeitpunkt nur sehr schwache deutsche Verbände im Küstenschutz, nicht mehr als Alarmeinheiten die eine Landung melden können aber keine wirksamen Gegenmaßnahmen setzen können. Dies ist den Russen bewusst, die Seehoheit am Eismeer gehört den Sowjets und die Landschaft bietet natürliche Buchten, perfekt für eine Landungsoperation.

In jener Nacht landeten in der "Holzbucht", "Fischerbucht" und der "Landebucht" die sowjetische 12.Marinebrigade mit insgesamt 6 Bataillonen. Weiter im Süden holt eine sowjetische Rentierbrigade aus um die Feldwachenstellungen in der Tundra, welche von der 6.GebDiv besetzt ist, zu überrennen.

Ziel der sowjetischen Führung ist den "Nordraum" in Besitz zu nehmen, nach Süden und Norden vorzustoßen sich beim "Herzberg", wo sich der DivGefStd der 6.GebDiv befindet, zu vereinen und somit die deutschen Truppen an der Liza einzukesseln.

Im Nordraum gelingt es den Russen die schwach besetzen Stützpunkte "Landebucht", "Herzogstein" zu überrennen und das Gelände um den Stockzahnsee zu besetzten. Die 6.GebDiv kommt schnell in eine Kriese und muss Teile der 2.GebDiv alarmieren.

Am 29.04.1942 erfolgt die Alarmierung des Jägers Halbeisen, das III./GJR 137 wird von Elvenes per LKM in das Russenlager an der Titowka transportiert. Das III./137 unter Führung von Hauptmann Walleser soll im "Herzogtum" eingesetzt werden. Führer der Kampfgruppe "Nordraum" wird Oberst Dr.Treeck (Kdr. GJR 137). Am 02.05.1942 wird das III./137 in die "Seeenge" nachgezogen. Oberst Dr.Treeck, bereitet die Gegenangriffe gegen den sowjetischen Landekopf vor.

Der Gegenangriff soll am 04.05.1942 um 02:00 Uhr beginnen. Der Bereitstellungsraum für das III./137 ist südwestlich der "Schrobenhöhe", Auftrag ist das nehmen der Höhe 172,3 und Vorstoß bis Linie "Kap Pinguin" - 99,7 - Nordostecke "Stockzahnsee". Der Angriff bleibt im Laufe des Tages am Hang der Höhe 172,3 liegen. Um 22:00 Uhr wird die 11./137 und damit auch der Jäger Halbeisen dem Bataillon "Raithel" zugeteilt.

Am 05.05.1942 wird die 11./137 beim Abfluss des "Stockzahnsee" in Kämpfe Mann-gegen-Mann mit den Russen verwickelt, die 11./137 erhält den Befehl die Höhe 172,3 im Sturm zu nehmen. Der Befehl ist nicht durchführbar, wovon sich der Btl.Kdr. selbst überzeugt. Nachdem die Nachbarbataillone den Russen zum zurückweichen zwingen kann, kann auch die Höhe 172,3 genommen werden und stößt auf Höhe 99,7 vor. Dem Btl. "Maunz" (I./GJR 136) gelingt es den wichtigen "Herzogstein" zurückzuerobern.

Am 06.05.1942 kommt die 11./137 wieder zurück zum Btl. "Walleser". Doch mittlerweile zeig die Natur ihre Gewalt, an der Eismeerfront zieht ein heftiger Schneesturm auf, der die Truppen in schwere Bedrängnis bringt. Die ohnehin völlig entkräfteten und übermüdeten deutschen Truppen werden durch Kälte und Nässe behindert, ebenfalls zeigt sich nun der Mangel an Ski und Wintertarnkleidung. Ein weiterführen der Angriffe ist vorerst nicht möglich.

Am 07.05.1942 hat der Schneesturm seinen Höhepunkt, Schneeverwehungen von über 1m machen jeden Angriff auf den sowjetischen Brückenkopf unmöglich. Oberst Dr. Treeck nutz die Zwangspause um seinen Männern Ruhe zu gönnen und die Truppen neu zu gruppieren. Trotzdem fallen zig deutsche Soldaten durch Erfrierungen und Schneeblindheit aus, es gibt auch Tote durch Überbeanspruchung und Überanstrengung.

Am 08.05.1942 holen die deutschen Truppen erneut zum Schlag auf die Sowjets aus, die Russen wollen unbedingt die Höhen um die "Landebucht" halten, es herrscht reger Schiffsverkehr im Liza-Fjord, der deutschen Seite ist nicht klar ob der Russe seine Truppen aus dem Brückenkopf zurückzieht oder neue Truppen landet. Das III./137 bekommt als Angriffsziel die Höhe 1200 m südöstlich Herzogstein (Festungsberg).

Am 09.05.1942 erfolgt der Sturm auf den Festungsberg. Um 01:45 Uhr befindet sich das Bataillon unmittelbar bis unter de Grat des "Festungsberges". Bis zur Erreichung des Grates muss noch ein tief eingeschnittener Geröllstreifen überwunden werden. Um 03:30 Uhr meldet Hauptmann Walleser an die Division "Höhe 160 (Festungsberg) genommen!"

Bei diesem Sturmangriff, auf dem von den Sowjets zur Bastion ausgebauten "Festungsberg", fiel der erst 21 Jährige Jäger Peter Halbeisen durch einen Kopfschuss.

Nachdem die russischen Verbände zum Rückzug gezwungen wurden und sich die Lage an der Eismeerfront entspannte, kam auch der Kp-Chef von Peter Halbeisen, Oberleutnant Mayer am 18.05.1942 dazu dem Vater von Peter Halbeisen vom Tod seines Sohnes, fern seiner Bregenzerwälder Heimat zu schreiben. Von der Dienststelle wurde auch eine Bestätigung vom Tod ausgestellt.

Nach seinem "Heldentod" in der Tundra, wurde der Leichnam von Peter Halbeisen am Ehrenfriedhof des Gebirgskorps in Parkkina-Petsamo bestattet.

Am 08.07.1942 wurde dem Jäger Peter Halbeisen posthum das Infanterie-Sturmabzeichen verliehen, für seine Teilnahme an den Sturmtagen im Mai 1942 im "Herzogtum Liza" 


Der Wehrpass von Peter Halbeisen. 

Der Gefechtskallender im Wehrpass von Peter Halbeisen. 

Die Eintragung zum Tod von Peter Halbeisen, auf dem Festungsberg am 09.05.1942.

Der Brief vom Kompanie-Chef an den Vater von Peter Halbeisen. Hier wird auch die Bestattung auf dem Heldenfriedhof Parkkina-Petsamo erwähnt. 

Bescheinigung über den Tod von Peter Halbeisen. 

Oberleutnant Ernst Hölzl

11./GJR 137
geb.: 26.01.1917 in Salzburg
gef.: 02.02.1943, südlich Benkstein Murmannfront

Ernst Hölzl kämpfte bereits 1940 als Freiwilliger in Narvik, wo er mit dem Fallschirm abgesprungen ist. Im Anschluss nahm er an der Kämpfen an der Eismeerfront, mit der 11./GJR 137, teil. Als junger Leutnant war er als Zugführer eingesetzt, auch am 02.02.1943, wo er einen Stoßtruppunternehmen auf das Wolfganghorn anführte. Bei diesem Unternehmen fiel Ernst Hölzl. Er konnte geborgen werden und am Friedhof Parkkina-Petsamo bestattet werden. Posthum wurde Ernst Hölzl zum Oberleutnant befördert. 

Das Sterbebild von Ernst Hölzl.

Auf der Rückseite des Sterbebildes findet man ein Grabfoto seines Grabes, auf dem Friedhof Parkkina-Petsamo. 

Ein kurzer Bericht, im Kriegstagebuch der 2.Gebirgs-Division, zu jenem schicksalhaften Stoßtrupp, bei dem Ernst Hölzl den Tod gefunden hat. (Quelle: KTB der 2.GebDiv, NARA-Rolle)

Unteroffizier Karl Moser

Nachrichten-Zug I./GAR 111
geb.: 30.11.1912 in St.Ruprecht/Kärnten
gef.: 23.07.1941 am H.V.Pl. der Geb.San.Kp.67 am Liza-Abschnitt

Karl Moser war als Unteroffizier beim Nachrichten-Zug der I./GAR 111 eingesetzt, als er am 23.07.1941 beim Höhe 274 durch Granatsplitter schwer Verwundet wurde. Noch am selben Tag erlag er am Hauptverbandsplatz seiner schweren Verwundung. Karl Moser wurde vorerst in einem Feldgrab an der Liza bestattet. Im Oktober 1943 wurde sein Leichnam auf den Heldenfriedhof Parkkina-Petsamo umgebettet. Hier wurde er in der Reihe IV, Grabnummer 258 bestattet. 

Wehrpass von Karl Moser.

Die Sterbeurkunde für den Unteroffizier Karl Moser. 

Die erste Grabstelle für Karl Moser im Liza-Abschnitt.

Schreiben der Wehrmachtsauskunftstelle an die Mutter von Karl Moser, vom 20.10.1943, dass ihr Sohn auf den Kriegerfriedhof Parkkina-Petsamo umgebettet wurde. 

Das Grab von Karl Moser auf dem Kriegerfriedhof Parkkina-Petsamo.